63. Treffen des Arbeitskreises Angewandte Gesprächsforschung vom 09.-10. November 2018 in Siegen

Thema: Technisierung von Interaktion

Hier finden Sie den CfP als pdf.
 

Computers have played a massive role in changing the way we live over the last couple of decades. [...] They have evolved from being isolated machines to globally interconnected devices. Not only has access to computers vastly increased, but the ways we interact with them and materials used for computer devices have changed too. All of this means that computers can now be interwoven with almost every aspect of our lives. (Harper et al. 2008, S.31)

Die Interaktion mit und via Computer-Technologien bestimmt menschliches Handeln in Beruf und Alltag zunehmend. Das reicht von einfachsten kleinen technischen Unterstützungsmedien bis zu komplexen, auf maschinellem Lernen basierenden Systemen. So hat in den letzten Jahren z.B. die algorithmische Verarbeitung von Sprache sowohl zum (Teil-)Zweck der automatischen Spracherkennung als auch zur nicht-menschlichen Sprachproduktion enorme Fortschritte gemacht (siehe für eine kurze Darstellung der Genese z.B. Lobin 2017). Zuletzt hat die Präsentation von Google Duplex (Google 2018) eine (weitere) gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den faszinierenden Möglichkeiten einerseits und den Gefahren von technischen Sprachassistenten andererseits ausgelöst (siehe z.B. Stöcker 2018). Mit der Präsentation wird bereits der Anschein erweckt, die Vision für erfolgreiche Sprach-Interfaces von Nass/Brave (2005, S.184) sei auf dem Wege der Realisierung:

Successful voice interfaces require more than sophisticated algorithms and advanced hardware. They demand an appreciation of speech as a rich, mutually supportive, and inherently social interaction. When voice interfaces fully leverage how humans are wired for speech, users will not simply talk at and listen to computers, nor will computers simply talk at and listen to users. Instead, people and computers will cooperatively speak with one another.

Doch was können automatisierte Sprachverarbeitungssysteme und andere (einfache und komplexe) Computer-Technologien – jenseits von werbewirksamen Präsentationen und Science Fiction – leisten, wie wirken sie sich auf die Interaktion (sowohl im Alltag als auch in Institutionen und Organisationen) aus und was können GesprächslinguistInnen zur Erforschung, Bewertung, und vor allem zur Anwendung und Optimierung dieser unterschiedlichen Technologien und den damit verbundenen Interaktionen beitragen?

 

In den v.a. informatisch und technik-soziologisch dominierten Forschungsgebieten wurde dies in den letzten Jahr(zehnt)en insbesondere unter den Labels 'Human Computer Interaction' (HCI), 'Computer Mediated Communication' (CMC) und 'Computer Supported Cooperative Work' (CSCW) in den Blick genommen. In der gesprächs- und konversationsanalytischen Forschung sind v.a. die Workplace Studies und die Studies of Work hervorzuheben (siehe u.a. Button 1993, Heath/Luff 2000, Suchman 2007, Pitsch 2015) sowie einzelne (v.a. linguistische) Arbeiten zur Mensch-Computer-Interaktion (siehe z.B. Wagner 2002, Ludwig 2004, Fischer 2006, Schuller 2007, Ramlow 2009, Thar 2015 und Opfermann/Pitsch 2017). Daneben gibt es noch die Computerlinguistik (siehe z.B. Carstensen et al. 2010 und Hausser 2014), die Medienlinguistik (siehe für eine Übersicht z.B. Schmitz 2015 und für ausgewählte Forschungen u.a. Beißwenger 2017 sowie Herring/Stein/Virtanen 2013) und sprachdidaktische Forschung zum Um- gang mit technischen Medien (siehe z.B. Giessen 2013 für eine Übersicht zum medien- gestützten Lernen).

Zu den (technischen) Systemen in all diesen Forschungsansätzen zählen kleinste technische Unterstützungsmedien in der ersten Entwicklungsphase bis hin zu erprobten Systemen internationaler IT-Unternehmen. Und im Fokus der interaktionsanalytischen Forschung können – je nach Technik und Anwendung – sowohl schriftliche als auch mündliche und/oder nonverbale Aspekte der Interaktion stehen.

Wir laden Sie ein, sich mit Ihren – gern auch interdisziplinären – Beiträgen am 63. Treffen des Arbeitskreises Angewandte Gesprächsforschung am 09. und 10. November 2018 an der Universität Siegen zu beteiligen und einen Überblick über aktuell vorliegende oder entstehende – v.a. gesprächs- bzw. interaktionslinguistische – empirische Arbeiten zu Interaktionen mit(tels) technischen/r Interfaces und Systemen zu präsentieren (gerne mit einem Fokus auf Anwendungsaspekte) und zur Diskussion zu stellen. Aber auch – z.B. method(olog)ische und/oder eher theoretische – Beiträge, die das Rahmenthema i.w.S. betreffen, sind herzlich willkommen.

 

Quellen und Literatur:

Beißwenger, Michael (Hg.) (2017): Empirische Erforschung internetbasierter Kommunikation. Berlin/Boston: de Gruyter. Online: https://www.degruyter.com/view/product/496425.

Button, Graham (Hg.) (1993): Technology in Working Order: Studies of Work, Interaction and Technology. London/New York: Routledge.

Carstensen, Kai-Uwe, Christian Ebert, Cornelia Ebert, Susanne Jekat, Ralf Klabunde und Hagen Langer (2010): Computerlinguistik und Sprachtechnologie. Eine Einführung. 3., überarb. und erw. Aufl. Heidelberg: Springer. Online: https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-8274-2224-8.

Fischer, Kerstin (2006): What Computer Talk Is and Isn’t. Human-Computer Conversation as Intercultural Communication. Saarbrücken: AQ-Verlag.

Giessen, Hans W. (2013): Medium, Performanz, Inhalt: Eine theoretische Metastudie zum mediengestützten Lernen. In: Glottodidactica 40 (1), S. 51-64. Online: https://pressto.amu.edu.pl/index.php/gl/article/download/368/275.

Google (2018): https://ai.googleblog.com/2018/05/duplex-ai-system-for-natural-conversation.html. Harper, Richard, Tom Rodden, Yvonne Rogers und Abigail Sellen (2008): Being Human. Human-Computer Interaction in the Year 2020. Online: https://hxd.research.microsoft.com/manage/resources/beinghumana3-1.pdf.

Hausser, Roland (2014): Foundations of Computational Linguistics. Human-Computer Communication in Natural Language. 3. Aufl. Berlin/Heidelberg: Springer.

Heath, Christian und Paul Luff (2000): Technology in Action. Cambridge.

Herring, Susan C., Dieter Stein und Tuija Virtanen (Hg.) (2013): Pragmatics of Computer-Mediated Communication. Berlin/Boston: de Gruyter. Online: https://www.degruyter.com/view/product/40432.

Lobin, Henning (2017): Sprachautomaten (25.05.17). Online: https://scilogs.spektrum.de/engelbart-galaxis/sprachautomaten.

Ludwig, Bernd (2004): Ein konfigurierbares Dialogsystem für Mensch-Maschine-Interaktion in gesprochener Sprache. Berlin: Logos.

Nass, Clifford und Scott Brave (2005): Wired for Speech. How Voice Activates and Advances the Human-Computer Relationship. Cambridge (Mass.)/London: MIT Press.

Opfermann, C., Pitsch, K. (2017): Reprompts as Error Handling Strategy in Human-Agent Dialog? User Responses to a System's Display of Non-understanding. In: Proceedings of the 26th International Symposium on Robot and Human Interactive Communication. Lissabon/Portugal, S. 310-316.

Pitsch, Karola (2015). Ko-Konstruktion in der Mensch-Roboter-Interaktion: Kontingenz, Erwartungen und Routinen in der Eröffnung. In: Dausendschön-Gay, Ulrich, Elisabeth Gülich und Ulrich Krafft (Hg.): Ko-Konstruktionen in der Interaktion: Die gemeinsame Arbeit an Äußerungen und anderen sozialen Ereignissen. Bielefeld: Transcript, S. 229-258. Online: https://doi.org/10.14361/9783839432952-013.

Ramlow, Markus (2009): Die maschinelle Simulierbarkeit des Humanübersetzens. Evaluation von Mensch-Maschine-Interaktion und der Translatqualität der Technik. Berlin: Frank & Timme.

Schmitz, Ulrich (2015): Medienlinguistik. Einführung in die Medienlinguistik. Darmstadt: WBG.

Schuller, Björn W. (2007): Mensch, Maschine, Emotion. Erkennung aus sprachlicher und manueller Interaktion. Saarbrücken: VDM.

Stöcker, Christian (2018): Sprechende Computer Karl Klammers gefährliche Kinder (13.05.18). Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/sprechende-computer-karl-klammers-gefaehrliche-kinder-kolumne-a-1207239.html#ref=nl-dertag.

Suchman, Lucy (2007): Human-Machine Reconfigurations: Plans and situated actions. 2. Aufl.: Cambridge.

Thar, Evelyn (2015): „Ich habe Sie leider nicht verstanden.“ Linguistische Optimierungsprinzipien für die mündliche Mensch-Maschine-Interaktion. Bern: Peter Lang.

Wagner, Jörg (2002): Mensch – Computer – Interaktion. Sprachwissenschaftliche Aspekte. Frankfurt: Lang.

 

Mögliche Beitragsformen:

  •  Vortrag (30 bis 45 Min. inkl. Diskussion)
  •  Vortrag inkl. Datenanalyse (60 Min. inkl. Diskussion)
  •  Moderation einer Datensitzung (90 Min.)
  •  Übungen (Vorstellen/Durchführen von Trainingsmethoden) (30 bis 60 Min.)  Berichte aus der Praxis von PraktikerInnen (15 bis 45 Min.)
  •  Präsentationen von Systemen/Anwendungen (30 bis 60 Min.).

 

Anmeldungsmodalitäten:

Bitte geben Sie bei der Anmeldung folgende Informationen an: 

  • Name, Vorname
  • Einrichtung/Universität
  • E-Mail-Adresse
  • Teilnahme am Warm-Up, Donnerstag, 08.11.2018: ja/nein
  • Teilnahme am Abendessen, Freitag, 09.11.2018: ja/nein

 

Bei einer Anmeldung mit Beitrag geben Sie bitte zusätzlich an: 

  • Titel des Beitrags
  • Beitragsform
  • Abstract zur inhaltlichen Einordnung (max. 2.500 Zeichen)

Anmeldung mit Beitrag bis zum 09.09.2018

Anmeldung ohne Beitrag bis zum 02.11.2018

 

Bitte senden Sie Ihre Anmeldung und ihren Beitrag an:

Sabine Jautz (jautz@anglistik.uni-siegen.de) oder Jan Gerwinski (gerwinski@germanistik.uni- siegen.de).

 

Tagungsgebühr:

Eine Tagungsgebühr fällt nicht an. Wir bitten jedoch um einen Beitrag von 10 € für die Pausenverpflegung.

 

Veranstaltungsort:

Universität Siegen: Artur-Woll-Haus, Raum AE-A 103 (https://www.uni-siegen.de/start/kontakt/anfahrt_und_lageplaene).

 

Hinweis zur Übernachtung:

Hotelempfehlungen finden Sie im ‚Siegen Guide‘ (http://www.siegen-guide.de/hotels/hotel-entfernung). Auch ohne Auto gut erreichbare Hotels für Tagungs- gäste sind das H+ Hotel (ehemals Ramada) und das Holiday Inn Express.

 

Rahmenprogramm:

Das Warm-Up wird am Donnerstag (08. November 2018) ab 19:30 Uhr im Restaurant Namaste India (https://namasteindia-siegen.com) stattfinden.

Das gemeinsame Abendessen (Tapas) wird am Freitag (09. November 2018) im Café Cucú (https://www.cafecucu.com) stattfinden.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und auf ein spannendes Treffen in Siegen!

Jan Gerwinski & Sabine Jautz